Gendersternchen: Regeln, Formen und Fallstricke im Überblick

Das Gendersternchen (Asterisk) ist ein typografisches Zeichen innerhalb der deutschen Schriftsprache, das verwendet wird, um alle Geschlechter (männlich, weiblich, divers) sichtbar zu machen. Es wird direkt zwischen den männlichen Wortstamm und die weibliche Endung gesetzt, wie beispielsweise bei dem Wort "Student*in".

In wissenschaftlichen Hausarbeiten, an Universitäten und im offiziellen Sprachgebrauch wird eine inklusive Sprache heutzutage immer häufiger vorausgesetzt. Die korrekte Anwendung des Gendersternchens zeigt, dass du aktuelle akademische Standards verstehst und anwendest.

In diesem Leitfaden lernst du die genauen grammatikalischen Regeln, die verschiedenen Formen und die typischen Fehlerquellen bei der Verwendung des Gendersterns kennen.

Was ist ein Gendersternchen?

Das Zeichen bricht die traditionelle, rein männliche Form (das generische Maskulinum) in Texten auf. Es signalisiert visuell, dass Personen aller Geschlechtsidentitäten gleichermaßen angesprochen und gemeint sind.

Seine Ursprünge liegen in der feministischen Linguistik der späten 1990er Jahre. Es entwickelte sich als Weiterentwicklung aus dem Binnen-I und dem Unterstrich (Gender Gap), um eine noch umfassendere und inklusivere Form zu schaffen.

MerkmalGendersternchen (*)Doppelpunkt (:)
Visuelle WirkungSehr auffällig, setzt ein starkes Signal im Text.Dezent, fügt sich unauffälliger in den Lesefluss ein.
BarrierefreiheitWird von manchen Screenreadern als das Wort "Stern" vorgelesen.Wird von Vorleseprogrammen oft als kurze, natürliche Pause interpretiert.

Anwendung des Gendersterns

Die grundlegende Regel für die Platzierung ist simpel. Der Stern wird direkt vor die weibliche Endung (meist "-in" oder "-innen") gesetzt. Die größte Herausforderung besteht jedoch darin, dass der Wortstamm vor und nach dem Sternchen für beide Geschlechter grammatikalisch korrekt bleiben muss:

  • Setze das Sternchen immer ohne Leerzeichen zwischen den Wortstamm und die Endung.
  • Prüfe gedanklich, ob das Wort sowohl in der rein männlichen als auch in der rein weiblichen Form Sinn ergibt.
  • Passe zwingend auch alle dazugehörigen Artikel, Pronomen und Adjektive im Satzgefüge an.

Bei Wörtern, die in der weiblichen Form einen Umlaut bilden (z. B. Arzt -> Ärztin), funktioniert das Sternchen nicht. Schreibst du "Arzt*in", fehlt das "Ä" für die Frauen. Schreibst du "Ärzt*in", ist die männliche Form ("Ärzt") falsch.

Vermeide das Sternchen bei Wörtern mit Umlautwechsel zwingend. Nutze stattdessen neutrale Begriffe (z. B. "ärztliches Fachpersonal") oder schreibe beide Formen aus ("Ärzte und Ärztinnen").

Beispiele für Doppelnennungen mit Genderstern

Die Doppelnennung mit Genderstern fasst die ausführliche, zweifache Nennung beider Geschlechter platzsparend in einem einzigen Wort zusammen.

Im folgenden Beispiel siehst du, wie die männliche und weibliche Form effizient verschmelzen.

Beispiel

Statt: "Die Entwickler und Entwicklerinnen arbeiten an einem neuen Update."

Mit Sternchen: "Die Entwickler*innen arbeiten an einem neuen Update."

Auch bei organisatorischen oder administrativen Rollen funktioniert dieses Prinzip reibungslos und spart Platz.

Beispiel

Statt: "Bitte wenden Sie sich an die Administratoren und Administratorinnen des Systems."

Mit Sternchen: "Bitte wenden Sie sich an die Administrator*innen des Systems."

Bei der direkten Ansprache der Zielgruppe deiner Software nutzt du das Sternchen ebenfalls für eine kompakte, inklusive Form.

Beispiel

Statt: "Alle Benutzer und Benutzerinnen müssen ihr Passwort ändern."

Mit Sternchen: "Alle Benutzer*innen müssen ihr Passwort ändern."

Beispiele für Artikel und Pronomen mit Genderstern

Wenn du ein Nomen mit dem Sternchen versiehst, darfst du die Begleitwörter nicht im generischen Maskulinum belassen. Du musst Artikel, Pronomen und Adjektive ebenfalls an das Sonderzeichen anpassen, damit der Satz grammatikalisch stimmig bleibt.

WortartMännlichWeiblichMit Genderstern
Bestimmter Artikelderdieder*die
Unbestimmter Artikeleineineein*e
Possessivpronomenseinihrsein*ihr
Adjektiv (Nominativ)neuerneueneue*r

Vermeide das Sternchen bei Relativpronomen im Genitiv. Konstruktionen wie "dessen*deren" stören den Lesefluss enorm und gelten akademisch als unsauber. Formuliere den Satz in solchen Fällen besser komplett um, anstatt das Sternchen zu erzwingen.

Beispiele für Komposita mit Genderstern

Zusammengesetzte Wörter (Komposita) stellen eine besondere Herausforderung dar. Wenn ein Teil des Wortes eine Person bezeichnet, gerät der Lesefluss durch das Einfügen von Sonderzeichen oft ins Stocken:

  • Gendere den ersten Teil des Wortes (Bestimmungswort), wenn dieser exklusiv eine Personengruppe beschreibt.
  • Gendere den zweiten Teil des Wortes (Grundwort), wenn das Kompositum auf einer Personenbezeichnung endet.
  • Gendere beide Teile, wenn das Wort aus zwei unterschiedlichen Personenbezeichnungen zusammengesetzt ist.

Hier ist ein Fall, bei dem der vordere Teil des Wortes die handelnde Person definiert.

Beispiel: Bestimmungswort gendern

Aus "Anwenderfehler" wird "Anwender*innenfehler".

Wenn das Wort auf eine Person endet, platzierst du das Sternchen ganz klassisch am Schluss.

Beispiel: Grundwort gendern

Aus "Chefentwickler" wird "Chefentwickler*in".

In seltenen Fällen treffen zwei Akteure in einem Wort aufeinander. Hier nutzt du zur besseren Lesbarkeit zusätzlich Bindestriche.

Beispiel: Beide Teile gendern

Aus "Entwickler-Anwender-Gespräch" wird "Entwickler*innen-Anwender*innen-Gespräch".

Das Gendersternchen aussprechen

Um das Sternchen beim Vorlesen hörbar zu machen, nutzt du den sogenannten Glottisschlag. Das ist ein kurzer, stimmloser Verschlusslaut im Rachenraum, den wir im Deutschen auch bei Wörtern wie "Spiegel|ei" oder "Theater|abend" völlig unbewusst verwenden.

Beim Vorlesen eines gegenderten Wortes machst du an der exakten Stelle des Sternchens eine winzige Sprechpause. Du sprichst also zunächst den Wortstamm (z. B. "Entwickler"), stoppst für den Bruchteil einer Sekunde den Luftstrom und hängst dann die Endung ("innen") an.

Kurz & knackig

Übe die Aussprache, indem du dir beim Lesen ein unsichtbares Leerzeichen vorstellst. Sprich "Entwickler innen", so triffst du die Länge der Pause perfekt, ohne dass es abgehackt oder unnatürlich klingt.

Verbreitung und Verwendung des Gendersternchens

Das Sternchen wird heute primär in universitären Texten, von vielen städtischen Behörden und in den Texten der öffentlich-rechtlichen Medien verwendet. Es hat sich in diesen Bereichen als inoffizieller Standard für eine bewusste, diskriminierungsfreie Kommunikation etabliert.

Aktuelle Nutzung

Laut Erhebungen aus dem Jahr 2023 empfehlen oder fordern rund 40 % der deutschen Hochschulen in ihren offiziellen Leitfäden die Nutzung des Gendersternchens (oder ähnlicher Zeichen) für wissenschaftliche Arbeiten. In der breiten Alltagssprache wird es hingegen seltener aktiv geschrieben.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat das Gendersternchen bisher nicht in das amtliche Regelwerk aufgenommen. Er begründet diese Entscheidung damit, dass die orthografische Richtigkeit, die grammatikalische Eindeutigkeit und die schnelle Lesbarkeit von Texten durch Sonderzeichen im Wortinneren beeinträchtigt werden können.

Gendersternchen mit neutralen Formulierungen umgehen

Geschlechtsneutrale Sprache nutzt geschickte Umformulierungen und Begriffe, die von vornherein kein grammatikalisches Geschlecht für Personen festlegen. Mit dieser Technik vermeidest du Sonderzeichen komplett und umgehst grammatikalische Stolperfallen:

  • Partizipien im Plural:  Studierende, Lehrende, Arbeitende.
  • Substantivierte Adjektive: Angestellte, Verantwortliche, Bevollmächtigte.
  • Sachbezeichnungen: die Leitung, die Direktion, der Vorsitz.
  • Kollektivbegriffe: das Personal, das Team, das Kollegium.
  • Funktionsbezeichnungen: die Fachkraft, das Mitglied, die Hilfskraft.

Geschlechtsneutrale Formulierungen bieten eine Reihe von Vorteilen, insbesondere in wissenschaftlichen, beruflichen und öffentlichen Kontexten. Sie ermöglichen eine inklusive Ansprache, ohne auf Sonderzeichen zurückzugreifen, und gelten als sprachlich unauffällig sowie gut lesbar:

  • Der Text bleibt optisch ruhig, flüssig und leicht lesbar.
  • Es entstehen keine Probleme mit der Barrierefreiheit (Screenreader lesen den Text fehlerfrei vor).
  • Die Formulierungen sind grammatikalisch immer zu 100 % korrekt und vom Rechtschreibrat anerkannt.

Trotz ihrer Vorteile ist die geschlechtsneutrale Sprache nicht in jeder Situation die einfachste Lösung. Je nach Kontext können neutrale Formulierungen den Schreibprozess erschweren oder weniger präzise wirken als traditionelle Personenbezeichnungen:

  • Passende und präzise Begriffe zu finden, erfordert oft einen größeren Wortschatz und mehr Zeit beim Schreiben.
  • Manche neutralen Formen wirken sehr distanziert, unpersönlich oder bürokratisch.
  • Partizipien (wie "Studierende") sind streng genommen nur in dem Moment korrekt, in dem die Tätigkeit auch aktiv ausgeführt wird.

Fazit und abschließende Gedanken

Das Sternchen darf nur verwendet werden, wenn der Wortstamm davor und danach für alle Geschlechtsformen grammatikalisch völlig korrekt und sinnvoll bleibt.

Entscheide dich vor dem Schreiben deiner Hausarbeit für eine einzige Strategie, ob Gendersternchen, Doppelpunkt oder neutrale Formulierungen, und ziehe diese Methode dann konsequent und fehlerfrei bis zur letzten Seite durch.